ZUSAMMENFASSUNG          

         Das Losino-Pferd, Pony sp. Losino gemäß Masón, bekommt seinen Namen aus dem ursprünglichen Zuchtgebiet, dem Losa-Tal im Norden der Provinz Burgos (Spanien). Sie ist die einzige autochthone Pferderasse von Castilla y León und geographisch und historisch mit anderen autochthonen Rassen verwandt, die vom kantabrisch-pyrenäischen Stamm abstammen: das portugiesische Garrano, das galizische Faco, das Asturcón, das Navarro-Pferd, das baskische Pottoka und das Merens-Pferd.

         Das Losino-Pferd hat eine grosse Bedeutung in der Geschichte gehabt: Im Mittelalter nahm es einen wichtigen Platz bei der Reconquista ein, wo es zur Vereinigung der spanischen Königreiche führte. Später nahm es an der Eroberung Amerikas teil. Die Anzahl von Exemplaren dieser Pferderasse hielt sich bis zu den 50 Jahren. Danach jedoch sank allmählich ihre Zahl, so dass im Jahr 1986 der kritischste Stand seiner Geschichte erreicht wurde (ungefähr 30 Stück). Angesichts der alarmierenden Situation wurde dieses Jahr ein Projekt zur Wiedergewinnung der Rasse eingesetzt; so wurde in Pancorbo (Burgos) das erste Zentrum für Zuchtwahl des Losino Pferdes gegründet. Der Staat, der sich der Bedeutung der Wiedergewinnung der vielen autochthonen Rassen bewußt ist, führte die Gewährung einer Reihe von Zuschüssen für die Förderung und Wiedergewinnung dieser Rasse ein (Königliche Gesetzesverordnung vom 10. April 1995).  Das Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht Castilla y Leóns gründete seinerseits das genealogische Buch der Losino-Pferderasse (Anordnung vom 30. Oktober 1998).

     Das Ziel dieser Arbeit ist es, die jetzige Bevölkerung der Losino-Pferde zu charakterisieren, um durch ein Programm für die Erhaltung der Rasse zu einer größeren Kenntnis und genetischen Vielfältigkeit der Rasse gelangen zu können.

     Für die ethnologische Charakterisierung der Rasse wurden 75 entsprechend den Anforderungen gezähmte Pferde zoometrisch gemessen, die hauptsächlich den beiden Zentren der Losino-Pferden entsprachen: Pancorbo und Quincoces, beide in der Provinz Burgos. Die Analyse der zoometrischen Messungen hat ergeben, dass bei Merkmalen wie Faustmaß, Längendurchmesser und Röhrenknochenperimeter seine Ausmasse grösser sind als die der Pony-Gruppe im Norden der iberischen Halbinsel.  Es besitzt aber den kleinsten Zweiflankendurchmesser, so dass es vom kleinen und rundlichen Körperbau der Ponys abweicht und der morphostrukturellen Konstitution des Reitpferdes ähnelt.

    Die Erblichkeit der zoometrischen Masse variiert zwischen 0,36 für das Röhrenknochenperimeter bis 0,94 für das Faustmaß. Die grössten genetischen Verwandschaften bestehen bei dem Faustmaß und zwischen Faustmaß und anderen Massen hinsichtlich Volumen und Körperlänge. So ergibt sich die Tendenz zur Proportionalität der Rasse.

     Für die genetische Charakterisierung durch den Pedigree sind die genealogischen Daten jeder der im genealogischen Buch der Rasse eingeführten Tiere informatisiert worden. Die durchschnittliche Blutsverwandschaft der Losino-Pferde war von 1,4% und die effektive Gründeranzahl (G.C.I.) beträgt 2,03. Da bei dieser Rasse erst die ersten Schritte zum Wiedergewinnungsprozess gemacht worden sind, kennen wir lediglich vier Generationen. Je näher wir dem Grundbestand kommen, desto mehr reduziert sich der Vollständigkeitsgrad jeder Generation.

     Zur genetischen Charakterisierung hat das Studium der genetischen Kennzeichen beigetragen (biochemische Polymorphie des Serums und der Mikrosatelliten des ADN). Um die genetische Vielfältigkeit zwischen den beiden Zentren der Losino-Rasse (Pancorbo und Quincoces) zu bestimmen, wurde der erwartete durchschnittliche Heterozygotie-Index geschätzt. Dieser zeigte einen Durchschnittswert für beide Zentren von 0,412 für die zehn biochemische Polymorphien und von 0,733 für die zehn Mikrosatelliten, so dass der Wrightsche Index 0,025 beträgt. Angesichts dieses Ergebnisses kann behauptet werden, dass das Losino-Pferd eine mittlere-grosse genetische Vielfältigkeit besitzt. Das ist auf folgendes zurückzuführen: Einerseits auf die Art der Wiedergewinnung, die in Pancorbo durchgeführt wurde (Aufnahme ins Erhaltungsprogramm aller Tiere der Provinz Burgos, die zum beschriebenen Rassenmuster passten), und andererseits auf die jahrelang in Quinconces betriebene Kreuzung mit Pferden verschiedener Rassen (PRE, Arabisch, Postier-Breton). Die Bedeutung bzw. der Beitrag des Losino-Pferdes bei der Eroberung und Kolonialisierung Amerikas kann durch die genetische Verwandtschaft mit anderen Rassen wie der Paso Fino, Cuarto de Milla oder das Chilote-Pferd bewiesen werden.

     Mit den verschiedenen Charakterisierungsstudien werden die Rassenunterschiede zwischen beiden Zentren bestätigt, die mit geographischen Bereichen zusammenfallen: So gibt es Losino-Pferde "vom bergigen Gebiet" (Pancorbo) und die "vom ländlichen Gebiet" (Quincoces) in den bergigsten Bereichen Kastiliens mit wichtigen phänotypischen und genotypischen Unterschieden.  Aus all diesen Gründen hätte das Losino-Pferd von Pancorbo einen bereinigten Ursprung in einer wilden Unterart, die die Berge von Burgos bewohnte und eine der drei einheimischen Pferdearten der iberischen Halbinsel sein könnte aber in Abgrenzung von den kantabrischen und den südspanischen Rassen. Das Zentrum von Quincoces ist hingegen verwandter mit den Pferderassen Nordspaniens.